Poesie 2



Gedichte auf Rezept  !

Frau Dr.med.  Katharina Braack, geb. Sander,  (  *  1895 in Halle     +  03.10.1992  auf Nordstrand )  war von 1927  bis 1972   ( über viele Jahre gemeinsam mit ihrem Mann Dr.  Carl Johann Braack ) als praktische Ärztin auf Nordstrand tätig.
In ihrem Nachlass befand sich ein kleiner Band mit handgeschriebenen Gedichten, die sie vom Beginn des 20. Jahrhunderts an bis in die 1960er Jahre aufgezeichnet  hat.  Dieses lyrische "Tagebuch" verbindet  in eindruckvoller Weise das persönliche Erleben mit den großen Veränderungen, die die Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfahren und erleiden mussten.

Winfried Gutbier, Alter Koog, hat die handschriftlichen Formen in die für uns leichter lesbare Maschinenschrift übertragen. Und da so manches kleine Gedicht von Frau Dr. Braack einfach auf ein Blatt ihres  Rezeptblocks geschrieben wurde, finden Sie oben auf dieser Seite den Titel "Gedichte auf Rezept".

Wir wollen hier in loser Folge das eine oder andere Gedicht der langjährigen, verdienstvollen Nordstrander Ärztin veröffentlichen  -   zum Andenken der "Fru Doktor" und zum Nachdenken für uns Nordstranderinnen und Nordstrander heute. 



Verzage nicht !   ( 1911 )

Verzage nicht !
Hast du bis jetzt noch keinen Freund gefunden,
Der Trost dir spricht,
Der liebend heilet deine Herzenswunden,
Verzage nicht !

Verzage nicht !
Noch liegt das Leben ausgebreitet, noch ist's voll Licht,
Noch mancher über deine Bahnen schreitet,
Verzage nicht !

Hab frischen Mut !
Hab Mut, das Leben ganz allein zu tragen, auch das ist gut,
Kannst du auch niemand deine Schmerzen klagen,
Hab frischen Mut.

Hoff du nur still !
Manch artig Veilchen wird am Wege warten, wer's pflücken will,
Viel duftend Rosen blühn im Lebensgarten,
Hoff du nur still.




Ferien    (  Im Zuge nach St. Luc  03.07.1913 )

Die Koffer stehen gepackt vor der Tür,
Jeder sucht seinen Rucksack herfür -
Und dann noch den Handstock, die Nagelschuh !
Und nun geht's los. Immerzu, immer zu
In die Ferien.

Acht Wochen ohne Schule sein
Und in die schönen Berge hinein !
Und da oben genießen die reine Luft
Und der Wiesen Grün, und der Wälder Duft
In den Ferien !!

Und dann noch jung sein, kaum achtzehn Jahr,
Und der Wald so schön, so wunderbar.
Und sich freuen können aus tiefster Brust
Und das Herz ganz voll von Lebenslust,
O, ihr Ferien !!



Müde    (   24.01.1916  )

Leise, ganz leise, ruhig und sacht
Senkt es sich still nieder. Gute Nacht !
Alles was wirklich, Häuser und Baum,
Schwimmt und verklinget im dämmernden Raum.

Alles das Harte des herrischen Lichts,
All das Erstarrte, verdämmert in Nichts.
Leise und singend geht's durch den Raum,
Linderung bringend, lösenden Traum.

Verdämmernd hör ich den Regen der tropft, 
Verklingend versteh ich das Herz, das klopft.
Träume von Frieden breiten sich weit.
Willenlos nimmt mich die Mattigkeit.



Nach dem Weihnachtsfeste    ( 1913 )

Am grünen Weihnachtsbaume
erlischt nun Licht um Licht.
Ich sitze wie im Traume,
ganz still und rühr' mich nicht.

Und schau in den Kerzenflimmer
und in das grüne Geäst,
und denke an all den Schimmer,
das fröhliche Weihnachtsfest.

Verrauscht ist der Festtagstrubel,
verklungen der frohe Schall,
der helle Kinderjubel 
von unseren Lieben all.

Die Nadeln am Baume fallen,
es brennt der trockene Zweig,
die leeren Zimmer hallen
von jedem leisen Geräusch.

Wie schnell doch die Stunden verfließen,
die Stunden der Fröhlichkeit.
Sie schwinden dahin und grüßen
uns aus der Vergangenheit.

Am lieben Weihnachtsbaume
erlischt nun Licht auf Licht.
Ich schaue wie im Traume
dem neuen Jahr ins Gesicht.



Hoffnung   ( ohne Datum, vermutlich 1914 / 1915 )

Wenn auch noch wilde Winterstürme wehen,
Schneeglöckchen noch verborgen unterm Eis,
Einst werden wir doch wieder Blüten sehen,
Sehr bald vielleicht schon wird der Winter gehen,
Die Sonne Leben wecken, still und leis.

Wenn auch im Osten graue Schlachten toben,
Des Volkes Blüte streift der eis'ge Hauch,
Einst wird auch diese schwere Last gehoben.
Wenn an der Zeit, dann wird der Lenker droben
Den Frieden schenken uns'rem Volke auch.

Wenn auch noch Leiden will in Bann uns schlagen,
Und unser Wille noch gefangen liegt,
Getrost, mein Herz ! Nach tiefen Wintertagen
Hat doch der Frühling immer noch gesiegt.





















 
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letzte Änderung: 20.02.2013

 

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